Sabine Lösung, Mitglied des Europäischen Parlaments

Sabine Lösing
08.03.2010

Zum heutigen 100. Internationalen Frauentag

Frauentag.gif

Europaabgeordnete Sabine Lösing zum heutigen Internationalen Frauentag

„Anlässlich des heutigen Frauentages möchte ich einige Aspekte zur Situation der Frauen weltweit ansprechen.

Ökonomische Krisen treffen immer in ganz besonderem Maße die Länder der Peripherie, der so genannten Dritten Welt und es sind vor allem die Frauen, die zuerst die Folgen kapitalistischer Krisen zu tragen haben.

Krisen und Armut sind wiederum die Ursachen für Konflikte und für kriegerische Interventionen, um die Interessen der entwickelten Länder durchzusetzen. Und auch hier sind wieder Frauen im besonderen Maße betroffen. Doch mir scheint, dass Fraueninteressen nur dann wichtig sind, wenn sie im Sinne der herrschenden Eliten instrumentalisiert werden können. Dafür einige Beispiele:

In Afghanistan wurde als Interventionsgrund u.a. die Unterdrückung der Frauen im fundamentalistischen Islam vorgeschoben, mit der Folge, dass sich ihre Situation eklatant verschlechtert hat.

Doch auf der anderen Seite scheut sich die EU nicht davor, etwa in Somalia das Übergangsregime zu stützen, das immer öfter die Scharia anwendet!

Des Weiteren werden von der EU Armeen, wie beispielsweise im Kongo ausgebildet, von denen sich viele Soldaten in fürchterlicher Weise an Frauen vergehen.

Wir dürfen diese Instrumentalisierung nicht leichtgläubig mittragen! Das ist aber oft schwierig, denn die Medienmacht wirkt so, dass reale Zusammenhänge verschleiert werden. So wird etwa mit Hilfe rassistischer Stereotype der Eindruck geschaffen, dass Gewalt gegen Frauen in der Natur mancher Völker oder Religionen liegt und ein quasi Kolonisieren dieser Länder durch “gute weiße Männer” als Lösung auf der Hand liegt. Das ist definitiv der falsche Weg, wie am Beispiel Afghanistan zu sehen ist.

Aber Frauen sind nicht nur Opfer. Frauen auf der ganzen Welt schließen sich zusammen um sich zu wehren und Alternativen zu entwickeln. Ich sehe eine wichtige Aufgabe für linke Europäerinnen darin, die Hintergründe und Folgen europäischer Politik für Frauen in der Peripherie zu analysieren, und dem Alternativen entgegenzusetzen, sowie den progressiven Kampf der Frauen zu unterstützen.

Was müssen wir tun?

Ich denke, Analysen und das Herstellen von Öffentlichkeit, sind wichtige Bestandteile linker Politik. Wir müssen selbstverständlich die Frauenbewegung unterstützen, sozialistische, feministische Alternativen entwickeln und dürfen nicht den Fehler machen, das typisch patriarchalische Konzept des “WIR” und “die ANDEREN” zu akzeptieren und zu übernehmen.

Meiner Meinung nach reicht es nicht aus, die Wurzel in der männlichen Ausrichtung zu sehen. Meines Erachtens sind das Patriarchat, der Kapitalismus, der Rassismus und auch Militärinteressen eng miteinander verbunden. Und dagegen müssen wir auf allen Ebenen kämpfen.“

Mit solidarischen Grüßen,

Sabine Lösing

Schlagworte zu diesem Artikel: Internationaler Frauentag,

Mediathek | Galerie | Links | Termine | Kontakt