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Brüder einer Roma Gemeinschaft seit drei Monaten in Wanderkirchenasyl

28.09.2010
Sabine Lösing

Aus aktuellem Anlass sei auf eine der zahllosen Abschiebetragödien verwiesen, wie sie sich gerade in Göttingen, dem Wahlkreis von Sabine Lösing, abspielt:

Brüder seit drei Monaten in Wanderkirchenasyl

Die Brüder Jetmir und Ramadan Kryeziu leben in Göttingen, seit sie im Jahre 1991 mit ihren Eltern vor dem Bürgerkrieg in dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland flohen. Jetmir war damals vier Monate, Ramadan vier Jahre alt. Aufgrund ihrer ethnischen Zurechnung zu den Ashkali, einer Roma-Gemeinschaft im Kosovo, war die Familie dort zwischen die Fronten der eskalierenden Auseinandersetzungen geraten. Seither wurden sogenannte ‚Kettenduldungen‘ für sie ausgesprochen, die wegen der fortwährenden Verfolgung im Kosovo stets für 1 bis 6 Monate verlängert wurden. Jetzt sind ihre Duldungen aber abgelaufen und sie sollen abgeschoben werden.

Jetmir hat einen Hauptschulabschluss, absolviert inzwischen einen Realschulkurs und hat für den 1. August 2011 einen Ausbildungsvertrag als Koch erhalten. Ramadan hat einen Hauptschulabschluss und einen Ausbildungsplatz zum Heizungsinstallateur, den er zum 01.08.2010 hätte antreten können. Beide sind in Deutschland aufgewachsen und hier sozialisiert, fühlen sich in Göttingen zu Hause und haben sowohl Freunde mit als auch solche ohne deutschen Pass. Sie fühlen sich hier integriert, wollen bleiben und haben riesige Angst davor, in das für sie fremde Kosovo abgeschoben zu werden. Dort werden sie nicht nur rassistisch diskriminiert, sondern haben zudem weder Besitz noch Verwandte, geschweige denn jegliche Berufsperspektiven.

Obwohl alle relevanten internationalen Hilfsorganisationen und inzwischen sogar der EU-Kommissar für Menschenrechte, Thomas Hammarberg, wiederholt mit großer Deutlichkeit vor Abschiebungen von Roma in das Kosovo warnen, hält die Bundesrepublik Deutschland an ihrer Abschiebepraxis fest: Deutschlands „Rückführungspläne“ sehen vor, dass alle hier lebenden Kosovo-Roma, das sind fast zwölftausend Menschen, darunter Tausende Kinder und Jugendliche, abgeschoben werden.

Jetmir und Ramadan, die inzwischen im Kirchenasyl Schutz gefunden haben, sind mit ihren Nerven fast am Ende. Verzweifelt muss Jetmir zusehen, wie Schulmonat für Schulmonat verstreicht, und Ramadan musste den ersten Tag seines Ausbildungsvertrages im Schutz der Gemeindemauern verbringen. Sie dürfen das Gelände kaum verlassen, fühlen sich eingesperrt und leben in ständiger Angst davor, von ihrer Familie getrennt und in ein Land abgeschoben zu werden, das sie gar nicht kennen.

Nach dem Scheitern vor dem Verwaltungsgericht ist für die Brüder ausländerrechtlich das Ende der Fahnenstange erreicht. Den letzten Strohhalm bilden nun eine Petition an den Deutschen Bundestag sowie die Stellung eines Asylfolgeantrags beim Bundesamt für Migration. Das klingt nach vielen weiteren Wochen und Monaten in Kirchenwänden. Gut, dass Friedrich Selter, der Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen, sich auf einen Beschluss der Landeskirche stützen kann: Darin fordert die Synode, Abschiebungen von „Roma aus Niedersachsen in die Republik Kosovo auszusetzen und den Betroffenen einen rechtmäßigen Aufenthalt aus humanitären Gründen zu gewähren“. Gut auch, dass er sein Wort gegeben hat, die beiden „nicht im Stich zu lassen“.

Weitere Informationen finden Sie unter folgenden Links:

http://www.goest.de

http://www.papiere-fuer-alle.org/

EU-Fördermittelplattform
Freiheit durch Sozialismus
Antikapitalistische Linke

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