Menu X

Afghanistan in Göttingen - Plakatausstellung und Reisebericht der Bundestagabgeordneten Christine Buchholz

06.10.2010

Für eine Veranstaltung, die aus dem üblichen Rahmen der politischen Diskussionsveranstaltungen heraus fiel, haben Christine Buchholz (Die LINKE, MdB und Mitglied des Kundus-Untersuchungsausschusses) und Sabine Lösing (DIE LINKE, Europaabgeordnete aus Göttingen) am 2. Oktober in Göttingen gesorgt.

Anlass war eine Plakatausstellung, die aus einer Reise, die die Bundestagsabgeordnete Buchholz zu Beginn des Jahres zusammen mit ihrem Kollegen Jan von Aken nach Afghanistan unternommen hatte, hervorgeht. Die Abgeordneten hatten die Angehörigen der Überlebenden des NATO-Luftanschlags von Kundus in deren Dörfern besucht und mit ihnen gesprochen.

Die mit einem Begleittext versehenen Plakate zeigen eindrucksvolle Bilder dieser Reise und sind noch bis zum 22. Oktober in Göttingen in der Fensterfront der Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. ausgestellt. Eröffnet wurde die Ausstellung im Göttinger Apex mit einem Reisebericht, den Christine Buchholz anhand einer Diavorführung hielt.

„Die Angst reiste immer mit“

Schon die ersten Fotos vermittelten neben der kompletten Zerstörung vieler Teile des Landes ein Bild von der großen Gefahr, unter der die beiden gereist sind: So sank die Militärmaschine, in der die Abgeordneten flogen, der Landebahn von Kundus nicht wie üblich sanft entgegen, sondern schoss im steilen Sinkflug fast senkrecht herab, damit sie nicht so leicht von Raketen getroffen werden konnte. Die Gruppe musste unter dem Schutz von sieben Mitarbeitern des Bundeskriminalamtes reisen.

Ernüchterndes berichtete Buchholz dann von deutschen „Provincial Reconstruction Team“, das angeblich dem Wiederaufbau dienen soll, faktisch jedoch ein Militärlager ist. Neben einem großen militärischen Fuhrpark leben auf dem Gelände, das einem Hochsicherheitstrakt gleicht, 1.300 Soldatinnen und Soldaten, von denen gerade einmal zwanzig der Abteilung der zivilmilitärischen Zusammenarbeit angehören, also mit Aufgaben des Wiederaufbaus betraut sind.

„Was soll ich mit Decken? Ich habe meine Liebsten verloren.“

(Abdul Hannan, dessen zwei Söhne getötet wurden)

Was die Angehörigen der Todesopfer des Luftanschlages erzählten, war entsetzlich. Es waren weit über hundert Zivilisten, darunter mehrere Dutzend Kinder, die sich, teils aus Neugier, teils, weil sie sich Benzin erhofft hatten, um die Tanklaster geschart hatten und dann starben. Neben den persönlichen Tragödien, die die Verletzten und die Verwandten der Toten nun zu verarbeiten haben, müssen sie nun auch erleben, dass ihr Schicksal die Verantwortlichen nicht interessiert. Während die Bundesregierung Milliarden in die militärische Ausstattung investiert, reichte die einmalige Soforthilfe von 3.900 Euro pro betroffener Familie – nicht etwa pro Opfer, obwohl manche Familien sehr viele Todesopfer zu beklagen haben – häufig noch nicht einmal für die medizinische Versorgung der Invaliden. Vor dem Hintergrund, dass viele dieser Familien ihren Alleinernährer verloren haben, ist dieser Betrag besonders arrogant.

Gehaltserhöhung für Oberst Klein

Geradezu pervers wird es allerdings, wenn man sieht, dass der verantwortliche Oberst Klein, mit seinem Einsatzbefehl klar gegen die Einsatzregeln der NATO verstoßen hat und dennoch durch seine Versetzung eine Gehaltserhöhung von rund 9840 Euro jährlich erhält.

„Mehr Soldaten - mehr Probleme“ (Amanullah Paiman, Vizepräsident im Unterhaus)

Die afghanische Regierungskritikerin Malalai Joya operiert seit ihrem Ausschluss aus dem afghanischen Parlament vor drei Jahren aus dem Untergrund. Genau wie alle Menschen, auf die die Abgeordneten sowohl in der Provinz als auch in Kabul, ob arm oder reich, trafen, lehnt sie die Regierung Karsai strikt ab, weil sie sie für demokratisch nicht legitimiert und korrupt hält.

Um Frieden herzustellen, fordern Buchholz und von Aken eine Abkehr von der bisherigen militärischen Strategie, weil die Präsenz der Bundeswehr und der NATO in Afghanistan wegen ihrer mangelnden Akzeptanz die Eskalation immer weiter verschärft. Neben dem sofortigen Rückzug der Truppen fordern sie eine Herangehensweise, die die Menschen vor Ort von Anfang an einbezieht und bei der nicht nur die Verbrechen der Taliban geahndet werden, sondern auch jene der früheren Bürgerkriegsparteien, deren wichtige Vertreter nun in der Regierung Karsai sitzen.

EU-Fördermittelplattform
Freiheit durch Sozialismus
Antikapitalistische Linke

Hinweis zum Einsatz von Cookies / Datenschutzerklärung

Hier finden Sie meine Datenschutzerklärung

close