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Offener Brief zum Projekt "OM10" in Göttingen

01.02.2016
Sabine LOSING

Dieser Brief wurde vor den Äußerungen von Hartmut Tölle zu OM10 verschickt, von denen ich mich, ebenso wie Sebastian Wertmüller in der heutigen Ausgabe des Göttinger Tageblatts, ausdrücklich distanziere. Tölle hatte vergangene Woche eine Beteiligung der BesetzerInnen an der weiteren Nutzung des Gebäudes abgelehnt und ihnen "Flausen im Kopf" vorgeworfen. Gleichzeitig wurde er in der Presse mit der Aussage zitiert, man müsse „bei allem Gutmenschentum, auch mal aussprechen, dass die Neigung, Flüchtlinge in der Altstadt zu haben, nicht so ausprägt ist“. Ich schließe mich in diesem Zusammenhang der Stellungnahme von Gerd Nier von der LINKEN Göttingen an, die hier nachgelesen werden kann: http://www.goettinger-linke.de/aktuell/stellungnahmen/#c281352

An
Sebastian Wertmüller, ver.di Bezirk Region Süd-Ost-Niedersachsen
Lothar Hanisch, DGB Region Südniedersachsen-Harz
Hartmut Tölle, DGB Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt

Lieber Lothar, lieber Sebastian, lieber Hartmut,

am 10. Januar konnte ich beim Neujahrsempfang der Initiative OM10 im jahrelang leerstehenden ehemaligen DGB-Haus in Göttingen einen Einblick in die beeindruckende Arbeit der Initiative bekommen. Wohlwissend, dass die direkte Zuständigkeit für das Gebäude bei der Immobiliengesellschaft liegt, möchte ich mich in diesem offenen Brief an Euch wenden, da ich auf eine sehr lange Zeit der guten Zusammenarbeit mit Euch zurückblicken kann, ganz besonders in der Arbeit gegen Faschismus und Rassismus. Ich kann mir vorstellen, dass ihr doch einen gewissen Einfluss auf die zukünftige Verwendung des Hauses habt. Deshalb übermittle ich Euch die große Bitte, diesen Einfluss zu nutzen, damit es für die wichtige Arbeit der Initiative in diesem Haus eine Zukunft gibt und realistische Rahmenbedingungen dafür gefunden werden.

Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit im Sozialdienst der Stadt Göttingen und meiner bis heute bestehenden Kontakte weiß ich wie groß der Bedarf an Unterstützung für geflüchtete Menschen ist. In der OM10 wird direkte Hilfe im selbstbestimmten Kontext angeboten und eine Kultur der Solidarität entwickelt, die in Göttingen einzigartig ist. Diese Kultur kann besonders auch durch den Standort des Objektes eine Strahlkraft in die Gesellschaft unserer Stadt entwickeln. Am 10. Januar konnte ich mich davon überzeugen, dass viele Bürgerinnen und Bürger große Sympathie für die Initiative zeigen und bereit sind, die Arbeit zu unterstützen.

Der Umgang mit dem Zuzug der vielen Menschen in unsere Stadt ist eine große Chance für die Entwicklung der Gesellschaft, aber auch eine Herausforderung. Denn leider gibt es auch in Niedersachsen nicht nur positive Beispiele, sondern auch abscheuliche Angriffe auf geflüchtete Menschen, und die soziale Lage vieler geflüchteter Menschen ist überaus prekär.

Es liegt in unser aller Hand, wie sich die Zukunft entwickelt. Deshalb bitte ich Euch, liebe Kollegen und Mitstreiter, zu prüfen ob und wie Ihr dazu beitragen könnt, dass es für die Initiative OM10 in Göttingen eine Zukunft geben kann.

Mit solidarischem Gruß aus Brüssel

Sabine Lösing

Brüssel, 28.01.2016

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