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Junge Welt: Mediterrane Militarisierung

14.08.2017

Die Tageszeitung junge Welt berichtete in ihrer Ausgabe vom 14.08.2017 über die Broschüre "Militärstützpunkte am Mittelmeer: Kriegslogistik, Machtpolitik und Widerstand" (www.jungewelt.de/artikel/316315.mediterrane-militarisierung.html):

Eine Broschüre beschäftigt sich mit den Militärbasen im Mittelmeerraum

Militärbasen sind auch in unserer Gegenwart »unverzichtbare materielle Grundlage imperialistischer Kriegführung«. So schreibt es die Europaparlamentarierin Sabine Lösing im Vorwort der von ihr in Zusammenarbeit mit der Informationsstelle Militarisierung (IMI) herausgegebenen Broschüre über »Militärstützpunkte am Mittelmeer«.

Die Autorin Jaqueline Andres, selbst Mitarbeiterin der IMI, zitiert dort einen Report des US-Verteidigungsministeriums, wonach die USA weltweit über fast 5.000 Militärstützpunkte verfügen. Wie sie weiter schreibt, ermöglichen diese Basen einen schnellen Transport von Truppen und militärischen Nachschubgütern in Kampfgebiete. Außerdem sind sie notwendige Standorte für die globale militärische Kommunikation.

Eine herausragende Position nimmt in diesem Geflecht militärischer Infrastruktur der Mittelmeerraum ein. Anhand von vier exemplarisch ausgewählten Militärbasen in Portugal (Azoren), Spanien (Andalusien), Italien (Sizilien) und Griechenland (Kreta) beschreibt Andres die geostrategische Präsenz von NATO- bzw. US-Truppen sowie deren Auswirkung für die örtliche Bevölkerung. Anhand mehrerer Kriegseinsätze, zum Beispiel dem von Truppen verschiedener NATO- und verbündeter Staaten gegen Libyen im Jahre 2011, wird die Rolle der Militärbasen beschrieben.

Melodie & Rhythmus

Den Schwerpunkt von Andres Ausführungen bilden allerdings die Auswirkungen der Präsenz auswärtigen Militärs für die örtliche Bevölkerung. Wie die Autorin schreibt, bilden die Militärstützpunkte vor allem in ärmeren Regionen zwar einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor. Als Nebeneffekt befördern sie jedoch die soziale Spaltung der Bevölkerung. Während Lieferanten und Dienstleistungsunternehmen sowie deren gut bezahlte Angestellte von der Militärpräsenz profitieren, müssen andere Anwohner mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen und mit den Folgen der vom Militär verursachten Umweltverschmutzung zurechtkommen.

Besonders zu letzterem schildert Andres mehrere drastische Beispiele, die weitgehend aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden sind. So kollidierten 1966 in Südspanien zwei US-Militärflugzeuge, wodurch mehrere Wasserstoffbomben beschädigt und die umliegende Region mit radioaktivem Plutonium verstrahlt wurde. Erst fast fünfzig Jahre nach dem Vorfall vereinbarten Spanien und die USA eine gemeinsame Säuberung des noch immer kontaminierten Gebietes.

Da die Bevölkerung meist nicht besonders davon angetan ist, im Kriegsfall das Ziel von militärischen Gegenschlägen zu werden, beteiligen sich häufig Anwohner an Protestaktionen, fordern eine Entmilitarisierung der Region und den Abzug der auswärtigen Truppen. Auf der Insel Kreta ist vor allem die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) bei diesen Protesten engagiert.

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